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Alterszentrum erhält Millionen-Erbschaft

ZO/AvU, Raphael Brunner 06.01.2018

Eine im Jahr 2015 verstorbene Frau hat der Gemeinde Egg fast 3 Millionen Franken vererbt. Bedingung war, dass das Geld an das Alters- und Pflegezentrum Loogarten geht. Trotzdem würden alle Egger profitieren, sagt der Gemeindeschreiber.

Bescherung für das Alterszentrum Loogarten in Esslingen: Die als Stiftung organisierte Institution erhält 2,9 Millionen Franken. Eine Frau aus Egg, die im Jahr 2015 verstorben war, hat die Gemeinde als Alleinerbin eingesetzt. Dabei hat sie festgelegt, dass praktisch das gesamte Geld für den Um- und Neubau des Alterszentrums Loogarten verwendet werden muss, der vor acht Jahren erfolgte. Dies gab die Gemeinde Egg gestern Freitag bekannt.

Schulden werden kleiner

«Wir freuen uns natürlich sehr über diesen Zustupf», sagt Gregor Frei, Geschäftsführer des Alterszentrums Loogarten. Das Geld wird allerdings nur in der Bilanz auftauchen. Für den Um- und Neubau des Alterszentrums hat die Stiftung Loogarten von der Gemeinde Egg ein Darlehen von 4,9 Millionen Franken erhalten. Dieses hätte sie im Verlauf von 16 Jahren zurückzahlen müssen – zinslos. Wenn die Gemeinde nun der Stiftung das Erbe verrechnet, bleiben nur noch 2 Millionen Franken an Verbindlichkeiten übrig. Für das Alterszentrum heisst das: Es kann 2,9 Millionen Franken auf die Seite legen oder für andere Zwecke verwenden, statt an die Gemeinde Egg zurückzuzahlen.

Man habe die Bewohner und Mitarbeiter des Alterszentrums Loogarten bereits vor längerer Zeit über das Erbe informiert, sagt Geschäftsführer Frei. «Sie werden von dem Geld allerdings kaum etwas spüren, da es eben zur Schuldentilgung verwendet wird.» Der Geldsegen führt also weder zu Lohnerhöhungen noch zu einem rauschenden Fest. «Trotzdem haben sich alle über das Erbe gefreut», sagt Frei.

Bisher stets zurückgewiesen

Auch auf der Gemeinde Egg zeigt man sich erfreut über das unverhoffte Geschenk. Die Gemeinde bekommt mehr als die Hälfte ihres Darlehens deutlich früher zurück als gedacht. Dadurch hat sie mehr flüssige Mittel zur Verfügung, wie Gemeindeschreiber Tobias Zerobin sagt. «Vom Erbe haben also indirekt alle Egger etwas.»

Dass Einwohner die Gemeinde als Erbin berücksichtigen, komme ab und an vor, sagt der Gemeindeschreiber. In seinen 16 Jahren im Dienst der Gemeinde sei dies das vierten Mal. Allerdings habe die Gemeinde bisher darauf verzichtet, das Erbe anzutreten. Dies, weil unklar war, ob am Ende überhaupt Geld vorhanden gewesen wäre. «Wir können nicht das Risiko eingehen, Schulden zu erben», sagt Zerobin. In diesem Fall sei einer Annahme jedoch nichts im Weg gestanden. Wie kompliziert die Abwicklung eines Erbes ist, zeigt jedoch die Tatsache, dass es mehr als zwei Jahre gedauert hat, die Erbschaft zu prüfen, bis Egg sie nun antreten kann.

Wer die Frau war, die Egg und dem Alterszentrum Loogarten den Millionenbetrag hinterlassen hat, will Tobias Zerobin nicht sagen. Sie habe in ihrem Testament auf Anonymität bestanden. Es habe sich aber um eine Egger Einwohnerin gehandelt. Gregor Frei, Geschäftsführer des Alterszentrums Loogarten, sagt: «Ich weiss auch nicht, wer die Frau war. In unserem Heim glauben aber manche zu wissen, dass sie nie bei uns gewohnt hat.»